Einmal fuhren wir in unserem Urlaub zur Grotta del Vento oder so. Man fuhr einen Berg hoch, links war der Berg, rechts der Steilhang, bei Gegenverkehr hing man gefühlt in der Luft, das war das erste Abenteuer. Wir fuhren recht einsam (zum Glück), da wir früh aufgebrochen waren. Dennoch war bei unserer Ankunft der Parkplatz fast voll und es gab keinen anderen Weg. Woher kamen die ganzen Leute? Ein Rätsel, das ich bis heute nicht aufgeklärt habe. Wir buchten eine zweistündige Führung durch die Grotten, denn ohne Führung darf man nicht hinein.
Das Positive zuerst: die Leute dort waren sehr nett. Sie versorgten uns gleich mit MP3-Playern, damit wir die Übersetzung der Informationstexte mithören konnten. Und die Luft darin war sehr gut: leicht salzig, kaum pollig. In der Grotte waren wir eine Gruppe von zirka 50 Leuten, ab und zu begegnete man anderen Gruppen der gleichen Größe, die sich auf den zirka 50 Zentimeter breiten Wegen aneinander vorbeiquetschten. Die Führer hatten die Texte auswendig gelernt und machten ihre vorgefertigten Witze (so viel italienisch verstand ich) in der gleichen Textmelodie, wie sie die Eigenschaften von Stalaktiten und Stalagmiten beschrieben. In der gleichen Emphase war der MP3-Text vorgetragen (der inhaltlich nicht uninteressant war). Ich musste dauernd an das Sams denken, eine Serie, die ich vor Jahren als Kind bei meiner Großmutter gesehen habe und in der zu einer Touristengruppe gesagt wird “Bitte knipsen sie jetzt!” So kam ich mir auch vor.
Und wenn ich schon viele Leute auf einem Fleck stressig finde, so finde ich 40 Meter in die Tiefe zu gehen, auf einer steilen Wendeltreppe und bei Gegenverkehr gänzlich unwitzig (mir wird nämlich bei dieser Art Erlebnis immer sehr schlecht). Deshalb zählte ich die Stufen: 245. Ich raunte Brucelieh zu: “Sowas mache ich nicht mehr mit!” Und Brucelieh zischte: “Ist auch besser so.” Und versuchte mich dann noch zu begeistern: “Das ist von der Natur geschaffen.” Woraufhin ich etwas giftig sagte: “Die Treppe auch?” So hing der Haus- oder ich sollte an dieser Stelle doch besser sagen: der Höhlensegen, in der Grotte etwas schief. Das machte aber nichts, denn man musste sich ohnehin manchmal ganz schön in die Kurve legen, damit man Stalaktiten und -gmiten nicht zerstörte.
Brucelieh und ich sind ja schon lange zusammen und so haben wir uns angewöhnt nach solchen kleinen Nickeligkeiten miteinander vernünftig zu diskutieren. Ich setzte hinterher auseinander, dass ich Naturereignisse, die geführt werden und die in als Massenware produzierten Reiseführern gelistet sind, vielleicht doch der Autentizität entbehren, die sich ein Mensch wie ich (Ich-Botschaft) von einem Naturereignis erhofft. Brucelieh setzte mir auseinander, dass es andererseits kaum eine Möglichkeit gibt als Normalbürger solche Naturereignisse zu sehen. Wir einigten uns darauf, dass ich in Zukunft Fotos angucke, die er gemacht hat, wenn gesagt wurde “Bitte knipsen Sie jetzt!”
6. September 2011 um 06:16 |
Was für eine Botschaft hat denn Brucelieh da von sich gegeben? Passt das in die 50000-Ohren-Theorie?
Das Happy-End gefällt mir, sowas lese ich doch immer wieder gerne
6. September 2011 um 06:33
Eine Man(n)-Botschaft