Die Toskana bietet ja nicht nur Strand und Berge und Land, sie bietet auch eine Reihe namhafter Städte: Florenz, Pisa (nicht zu verwechseln mit der Studie, die in ihrem Titel an einen schiefen Turm denken lässt, was witzigerweise einmal von einem namhaften Erziehungswissenschaftler mit einem Buch “Schieflagen im Bildungssystem” aufgegriffen wurde), Lucca, Sienna. Wir hatten uns Florenz und Lucca herausgesucht, allerdings die Option auf Pisa offengelassen. Diese Städte wollten wir besuchen. Nach Lucca brachen wir eines schönen Morgens auf und Yannik (TomTom) leitete uns selbstbewusst, aber nicht immer streckensicher nach Lucca. Wir nahmen einmal nicht die Autobahn, sondern fuhren, so wie man sich das aus Samstagsnachmittagsfilmen in ZDF immer vorstellt, an Zypressen und Pinien entlang, Berge hinauf und hinunter.
Lucca ist umgeben von einer alten Stadtmauer, die so breit ist, dass eine Straße über sie führt, die allerdings nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist. Und diese Straße wird auf der Stadtmauer von Kastanien umsäumt.Wir beanderten die halbe Stadtmauer, unser Ziel war der Markt. Italienische Märkte sind aber auch nicht mehr das, was sie mal waren. Zwar werden immer noch Katzen, Honig, Fleisch und Käse verkauft, aber den wesentlichen Anteil machen Stände aus, die Kleider aus Taiwan verticken. Barbie und MichaelA erstanden denn auch ein Kleid, ich nahm dafür das schlechte Gewissen entgegen. Bei unserem späteren Bummel durch die Altstadt stießen wir auf den Marktplatz, der auf den Grundfesten des ehemaligen Amphitheaters errichtet wurde. Das war sehr imposant. Die beiden Damen, die so entschlossenen Schrittes über den Markt gehen, sind Barbiegirl und MichaelA. Ich hatte schon lange nach einer schönen Ledertasche Ausschau gehalten (so seit einem Jahr), die etwas größer ist als meine Ledertasche, die ich seit 1999 aus einem Frankreichurlaub mitgebracht habe (wunderschön, auf einem Markt erstanden, richtig gutes Leder). Und in einem kleinen Handwerksgeschäft stieß ich auf sie: meine laptoptaugliche auf dem Rollkoffer zu befestigende Tasche. “Hast du nicht genug Taschen?” brummte Brucelieh. Ich hatte ein Einsehen, dann bummelten wir weiter und mein Einsehen schwand dahin. “Keine ist so wie diese,” quengelte ich. Also suchten wir durch die verschlungenen Gässchen wieder den kleinen Laden (dank Barbies Orientierungsvermögen), einen Familienbetrieb, der keine Hermes-Nachbauten oder Vuiton-Fälschungen verscherbelt.
Ich war danach glücklich und dachte: Konsum kann glücklich machen – besonders natürlich, wenn man schon lange nach etwas Aussschau gehalten hat. Barbie und MichaelA waren auch glücklich und Brucelieh war auch glücklich, weil er in einer Stadt war, die sehr schön und wenig überlaufen war – was mich auch froh stimmte. In unserer Hochstimmung fuhren wir dann über die Autobahn nach Cinqueterre, was nicht mehr in der Toskana, sondern in Ligurien liegt. Dort schauten wir uns den klimabegünstigten Küstenstreifen (so steht es im Reiseführer) etwas an und liefen etwas auf dem Via del Amore entlang – ein Fußweg entlang der Küste. Ich hätte nicht gedacht, dass er so heißt, weil man Kondome am Rand findet. Und ich überlegte auch, ob man nicht Kondome am Rand findet, weil der Weg so heißt. Guckte man allerdings auf das Meer, so fand man sich in einer wunderschönen Landschaft, vor schroffen Felsen, denen die Menschen seit Jahrhunderten ihr bisschen Leben abtrotzen und wo man im Sonnenuntergang herrliche Meeresfrüchte speisen kann (ich hoffe nicht Made in Taiwan).
Diese beiden Ausflüge unternahmen wir übrigens mit Freunden, die uns für 3 Tage besuchen gekommen waren. Das war sehr schön und angenehm mit ihnen. Bei unserem Ausflug nach Viareggio, einem Touristennest an der Küste, das im Reiseführer mit mondän beschrieben wird, und nach Florenz, einem riesigen Touristennest, waren wir dann wieder zu viert. Viareggio muss hier auch erwähnt werden, weil es ja der Ort war, wo wir Urlaub machten. Es gibt viele Geschäfte, in denen bei 34 Grad im Schatten, Pelze verkauft wurden und die nahmhaft waren: Gucci, Hermés und so weiter. Für uns jedenfalls kaum erschwinglich, denn wir würden für das gleiche Geld, was dort ein Outfit kostet, wahrscheinlich einen Kleinwagen kaufen. Auf dem Markt wurden die gleichen Klamotten wie in Lucca verkauft. Es gab eine leckere Pizzeria, die in einer ehemaligen Kirche war, da waren wir zwei Mal. Barbie und MichaelA waren zweimal am Strand, Brucelieh und ich einmal. Dann hatten wir genug von “Sonderangeboten” und “Massageangeboten” aller Art.
Florenz war dann auch noch ganz interessant, aber in der zweiten Urlaubshälfte wurde es derart heiß, dass es für uns kältegewohnte Deutsche kaum möglich war, sich zielorientiert fortzubewegen. Wir fuhren mit dem Zug, was ganz nett war und auch nicht so teuer. Wären wir mit dem Auto gefahren wären Maut und Parkplatzgebühr nebst der horrenden Bezinpreise genauso teuer gewesen. So schleppten wir uns denn morgens um 10 zum Dom und zur Brücke neben der Ponte Vecchio, um ein Bild zu machen (nebenstehend). Auf der Ponte Vecchio war so viel Betrieb, wie in Rüdesheim in der Drosselgasse. Dann schleppten wir uns bei 38 Grad im Schatten zu den Uffizien, verzichteten aber darauf hineinzugehen, denn man hätte drei Stunden anstehen müssen und unsere Wasserreserven waren aufgebraucht und uns waren die vatikanischen Museen noch gut in Erinnerung, durch die man zur so durchgeschoben wurde. Also bewunderten wir Michelangelos Skulpturen vor den Uffizien, soweit es die Sonne zuließ und hangelten und dann die Häuserwände entlang in eine klimatisierte Pizzeria und dann wieder zum Bahnhof.
Aufgrund der Massenaufläufe in Florenz und der hohen Temperaturen entschieden wir uns dann gegen Pisa. Wir waren auch schon einmal dort, da war es auch interessant, aber dieses Mal guckten wir uns dann lieber doch ehemalige römische Thermen in der Nähe an und suchten den Swimmingpool unseres Feriendomizils auf.