Die Schattenfrau

3. Januar 2010 von mialieh

Autor: Ake Edwardsson
525 Seiten

Ich habe das Buch in meinen Weihnachtsferien gelesen. Davor habe ich es drei Mal angefangen und beiseite gelegt. Dieses Mal wollte ich durchhalten. Ich habe durchgehalten obwohl: das Buch ist blass, sehr blass! Ich denke – soviel kann ich vorwegnehmen – es verkauft sich deshalb gut, weil Schwedenkrimi drauf steht.
Zur Handlung: Erik Winter ist die Hauptfigur in diesem Kriminalroman, seines Zeichens Kommissar und mit verschiedenen Fällen betraut, als er aus seinem Urlaub zurückkehrt, den er in Göteborg verbracht hat, wo es ungewöhnlich heiß ist. Es gibt einen rassistischen Überfall auf eine Kollegin, einen Bandenkrieg zwischen den Hells Angels und einer anderen Bande und vor allem einen Mord an einer jungen Frau, die schon mal ein Kind bekommen hat, das jedoch unauffindbar scheint. Der erste Fall verliert sich irgendwann, der letzte hängt mit dem mittleren irgendwie zusammen, doch man weiß nicht wie und erfährt das auch nicht. Doch das Positive zuerst: es gibt einen wirklichen Überraschungseffekt, nämlich die Tatsache, dass irgendwann deutlich wird, dass zeitlich versetzt erzählt wird. Das ist ein Clou am Buch, der in der Mitte deutlich wird. Dann ist der Joker verspielt und das Buch plätschert eine Weile dahin. Mehr verrate ich nicht zum Inhalt, denn es soll ja für die, die es lesen, noch spannend bleiben (HAHA)…

Zur Kritik: Auf den Punkt gebracht kann man sagen: viele Erzählstränge, die wirklich gute Geschichten andenken lassen, verebben.
1. Die Geschichte zwischen einer Polizistin, auf die ein rassistischer Überfall verübt wird, und ihrem Kollegen, von dem die Hauptfigur Erik Winter vermutet, dass er rassistisch ist und in Bezug auf dem immer wieder diffus von Problemen berichtet wird. Sie wird nicht vollständig entfaltet, immer denkt man, JETZT kommt die Pointe, aber sie bleibt aus.
2. Die Geschichte des Überfalls selbst. Die Polizei ist in hellem Aufruhr – am Anfang des Buches. Dann verebbt diese Geschichte. Dies wirkt im Nachhinein so, als hätte der Autor eben auch noch mal das Thema Rassismus unterbringen wollen.
3. Die Geschichte mit den Hells Angels. Ständig wird von einer Verbindung zwischen einem Bandenkrieg und dem Hauptfall gesprochen. Immer wieder wird auf eine diffuse Bedrohlichkeit der Hells Angels Bezug genommen. Dabei bleibt es. Hinterher kommt zwar raus, dass der Böse ein Hells Angel war, aber wie der in Verbindung zu einem weiterem Nebenfall stand und welche Bezüge es zu dem Hells Angels Milieu gibt, kommt nicht raus. In diesem Zusammenhang wären noch zig Erzählstränge aufzuzählen, die irgendwie unspannend wirken (z.B. wird der Kommissar Erik Winter immer mal wieder verfolgt. Das wird aber nicht wirklich spannend, weil nichts passiert, außer dass er glaubt, jemanden gesehen zu haben. Dann geht er wieder schlafen, was er oft tut, weshalb auch unversständlich ist, warum er so überarbeitet ist).
4. Die Geschichte zwischen Erik Winter und seinen Eltern. Da wird von Kommunikationslosigkeit geredet und irgendwie diffus angedeutet, dass Erik Winter seinen Eltern etwas verübelt oder dass sein Vater Alkoholiker ist, aber es kommt nicht raus. Fast wirkt es, als sei dieser Mann Mitte 30 beleidigt, dass seine Eltern nach Marbella gezogen sind. Nichts wird richtig entfaltet, es wird langweilig. Man denkt nur: wie unreif ist der denn?
5. Offenbar soll Erik Winter sehr attraktiv und vielschichtig sein. Untermalt wird das mit seiner Vorliebe für gute Anzüge und Jazz. Mehr nicht. Ein Beipsiel dafür, wie einfältig Erik Winter eigentlich ist, ist sein Verhältnis zu Frauen. Seine aktuelle Freundin jammert ständig nach einer Entscheidung für eine gemeinsame Zukunft. Erik Winter will nur Sex, gesteht sich das aber nicht ein. Oder vielleicht will er auch nicht nur Sex, aber auch das gesteht er sich nicht ein, denn Erik Winter entscheidet sich nicht. Sie verlässt ihn, er ruft ihren Namen. Gähn! Er lernt eine attraktive Polizistin kennen: Nichts passiert! Mein Gott, was für ein Spießer! Geht ein Bier mit ihr trinken und ruft danach seine Freundin an, die wieder rumjammert. Da war der alternde Wallander ja ein Draufgänger dagegen! Der hat wenigstens Format!
Die Vielschichtigkeit, die die Figur vielleicht beinhalten soll, kommt an keiner Stelle wirklich zum Ausdruck. Damit ist die Figur ein Abbild des gesamten Romans. Schade….

Hoch lebe Wolf Schneider

23. November 2009 von mialieh

Vor einiger Zeit habe ich hier ja Wolf Schneider etwas verrissen, weil ich meinte, er sei sehr arrogant. Letzten Endes finde ich das immer noch. AAAABER. Ich war neulich gezwungen eine Folge POPSTARS zu gucken.  Teenager und solche, die es gerne noch wären, lassen sich von einer fachlichen Jury erniedrigen, um hinterher berühmt zu werden. Ein Format das man derzeit in allen Casting-Shows findet. Ich habe nun geguckt, was „Casting“ heißt. Es hat nichts mit Auswahl zu tun, sondern mit Schmelzen, Anpassen, Krümmen. Mir ist aber auch wieder aufgefallen, wie dort gesprochen wird. Okay bei Heidi Klum (jetzt Samuel) regte ich mich auf, dass sie immer „Mädchen“ zu den Frauen sagte, die Deutschlands nächste oberste Kleiderstange werden wollten. Bei Dieter Bohlen regte ich mich auf, weil er so fäkalsprachig daherkam und immer noch -kommt. Aber die Sprache von Popstars, die ist wirklich furchtbar.

Die kleinen Möchtegern-Popstars singen schief und bekommen folgendes Urteil:

Juror 1: „Was du heute delivered hast, das war eine ganz starke performance.“

Juror 2: „Also ich bin echt overwhelmed.“

Juror 3:  „Ich wusste ja immer, dass du charismatick [gesprochen: kährismäddick] bist. Und dass Juror 1 deine performance mochte und Juror 2 overwhelmed ist, ist kein Wunder. Aber an deiner Voice musst du noch arbeiten. Deine eintries sind noch nicht on point.“

Pause

10. November 2009 von mialieh

mit einem Satz aus der Biografieforschung:

„Das Leben stört natürlich ständig!“

Mich leider gerade ebim Bloggen :-( Melde mich alsbald zurück. Aber diese Woche schaffe ich nicht viel. Die Schmosfongs, die Hilfskräfte und die Forschungen, dazu meine Lehraufträge an der parawissenschaftlichen Hochschule …

Urban Priol

30. Oktober 2009 von mialieh

 

Nächstes Jahr hat Urban Priol ein neues Bühnenprogramm. Ich kann nur empfehlen: Geht hin!

Wikipedia für Dumme

28. Oktober 2009 von mialieh

Neulich suchte ich eine Seite, auf der Langeweile erklärt ist. Dabei stieß ich auf die folgende Verbindung:

http://www.stupidedia.org/stupi/Hauptseite

Satire ist ein gutes Mittel gegen Langeweile, habe ich gemerkt…

I’m not there

26. Oktober 2009 von mialieh

Am Wochenende haben wir einen Film geguckt: I’m not there – ein biografisches Porträt von/übeer Bob Dylan. Das ganze hat mich schon vom Format her interessiert. Überall war die Rede von einer filmischen Collage und davon, dass Bob Dylan unter anderem von Cate Blanchett dargestellt wurde. Das ist auch prima umgesetzt.

Der Film beginnt, indem ein 11jähriger afroamerikanischer Junge auf einen Zug aufspringt, ein Gitarrenkoffer unter dem Arm, und glauben machen will, er sei Woody Guthrie. Ein weiterer Bob Dylan sitzt kurze Zeit später in einer Befragung und antwortet als Arthur Rimbaud auf Fragen, die der Zuschauer nicht gestellt sieht/hört. Eine weitere Figur (Heath Ledger) stellt einen Schauspieler dar, der am Familienleben scheitert und sich schließlich zum Christentum hinwendet. Cate Blanchett zeigt einen überarbeiteten und sich zur Rockmusik hinwendendend Bob Dylan. Richard Gere schließlich spielt einen alten Billy the Kid, der Pat Garret noch einmal ordentlich austrickst. Der Film ist sehr gut gemacht, indem die Geschichten immer wieder abwechselnd erzählt werden. Dabei hat jede Geschichte ihr eigenes Darstellungsformat. Während zum Beispiel die Teile mit Heath Ledger die blassen 70er Jahre Farbfernsehen-Farben tragen, sind die mit Cate Blanchett von einer sehr kontrastreichen schwarz-weiß Optik.

Inhaltlich entsteht eine Collage, von der man hinterher denkt: so ist manches zum Teil sicherlich gewesen. Und nach deren Anschauen, es schwierig ist, nicht melancholisch zu werden.  Sie enthält viele legendenhafte Anteile (der durch die Gegend tingelnde „Woody Guthrie“) und Anteile, die auch in anderen Biografien immer wieder auftauchen. Dennoch: der Film ist gut gemacht, er arbeitet mit interessanten künstlerischen Stilelementen und er besitzt einen tollen Soundtrck. Die Musikauswahl ist wirklich spitze und immer auf dem Punkt und die abwechslungsreiche Sequenzierung ist ein gutes Format, um die Vielschichtigkeit einer Biografie (oder gerade dieser Biografie?) darzustellen. Daher, ein sehenswerter Film.

Ein Kirchenwitz – und das auf meinem Blog…

24. Oktober 2009 von mialieh

darf das sein?

Ein Biker kommt zum Pfarrer: „Herr Pfarrer, man hat mir mein Motorrad geklaut. Können Sie mir helfen, es zurück zu bekommen?“
„Mein Sohn, im nächsten Gottesdienst werde ich die 10 Gebote behandeln. Pass auf, wer beim 7. Gebot rot wird. Das ist der Dieb!“
Gesagt – getan!
Nach dem Gottesdienst fragt der Pfarrer: „Und, hattest Du Erfolg? Ist jemand rot geworden?“
„Nein, aber die Angelegenheit hat sich so erledigt. – Als Sie das sechste Gebot erwähnten, ist mir eingefallen, wo ich das Motorrad habe stehen gelassen.“

„Die Klasse“ von Francois Bégaudeau

23. Oktober 2009 von mialieh

Bei „Die Klasse“ handelt es sich um einen Film, der nach einem autobiografischen Roman. In diesem spielt der Autor auch die Hauptrolle. Der Film handelt vom Arbeitsleben des Lehrers Francois in einem Pariser Vorort. Die Klasse ist multikulturell zusammengesetzt und wird als nicht besonders leistungsstark dargestellt. Der Lehrer stellt sich als streng dar, jedoch versucht er zugleich sein handeln integrativ zu gestalten. So trägt er Konflikte im Klassenraum aus, verhandelt sie, anstatt die Schüler des Unterrichts zu verweisen, ist nachsichtig im Umgang mit Handys und geht auf den Unterrichtsverlauf störende Nachfragen oftmals ein. Der Unterrichtsalltag gestaltet sich schwierig. Oftmals haben die Schüler die Hausaufgaben nicht. Eines Tages gibt der Lehrer ihnen jedoch die Aufgabe, ein Selbstproträt anzufertigen. Obwohl die Schüler dies anfangs als entgrenzend erleben, weil sie sich ihrem Lehrer als Person mitteilen sollen, gelingt es dem Lehrer, alle einzubinden.

Doch obwohl dieser Lehrer mit der Klasse zurechtzukommen scheint, ist das Kollegium gegen die Klasse aufgebracht. Einem Schüler droht ein Verweis. Als der Lehrer seine Klasse zur Ordnung rufen will, entsteht ein Konflikt der eskaliert. Der Lehrer nennt einige Schülerinnen daraufhin „Schlampen“, ein Schüler duzt im Streit den Lehrer. Als letzterer daraufhin Strafmaßnahmen androht, verlässt der Schüler die Klasse. Dabei muss er sich von seinen Kameraden losreißen, die ihn zurückhalten wollen, stolpert und verletzt eine Mitschülerin. Hier wird der Konflikt, in dem sich der Lehrer dann befindet, sehr gut dargestellt: er will einerseits für Ordnung sorgen und muss deshalb der Schulleitung Bericht erstatten. Doch auch dieser, in der ersten Wut gemachte Schritt, läuft ihm aus der Hand: es wird ein Disziplinarverfahren gegen den Schüler eingeleitet, der Schüler wird der Schule verwiesen.

Der Film und das Buch enden recht versöhnlich. Dennoch ist es ein sehr ehrliches Buch, das in einem sehr interessanten Stil geschrieben ist: staccatoartig reihen sich die Dialoge aneinander, immer nur unterbrochen von kurzen Beschreibungssentenzen. Es ist kein Buch/Film das/der den Lehrer als strahlenden Held erscheinen lässt. Man erkennt zum Teil autoritäre Züge, zum Teil persönliche Konflikte und die Unmöglichkeit diese außen vor zu lassen. Es ist ein Abschied vom Ideallehrer und eine Sicht auf problembelastete Schulen, die auch den problematischen Beitrag von Schule zum Scheitern der Schüler in den Blick nimmt. Darum fand ich es sehr empfehlenswert.

Die Klasse

21. Oktober 2009 von mialieh

Neulich musste ich ein Seminar zu Unterricht halten. Es war ziemlich unruhig. Da nahm ich mir das Buch „Die Klasse“, das ich an diesem Tag mitgebracht hatte und sagte: „Setzt euch und seid still.“ Hä? rief es aus den Reihen. Warum duzt sie uns einfach. Ich ignorierte das und las weiter „Sie setzten sich und waren still.“ Und dann war es still. Eine ganze Zeit lang hatte ich diese Aufmerksamkeit. Am Beispiel von diesem Unterrichtsbeginn ließ sich dann schon unheimlich viel herausarbeiten.

Hansjürgens Besuch

19. Oktober 2009 von mialieh

Lieber Hansjürgen,

war das eine Überraschung, als du letzte Woche Montag in der Tür standest. Draußen tobte „irisches Wetter“, aber die Schmosfongs stürmten direkt auf dich zu und ließen dich kaum einen Moment mehr aus den Augen. Ob wohl das Fässchen Guiness, was du mitgebracht hattest, dazu beigetragen hat? Ullendorff ist jedenfalls nach wie vor ganz verrückt. Ich glaube er hat Heimweh nach dir. Währenddessen läuft Mohlenhaber – vielleicht auch aus Kummer – bulemisch durch die Gegend. Ich hoffe, dir hat die Woche auch gut gefallen. MichaelA Jackson und Barbiegirl ordnen derweil die vielen Informationen, die du aus deinem privaten Archiv mitgebracht hast. Herzlichen Dank noch einmal. Ach, ich werde die guinessgeschwängerten Abende am Kamin vermissen.

Herzlich, Mialieh