Autor: Ake Edwardsson
525 Seiten
Ich habe das Buch in meinen Weihnachtsferien gelesen. Davor habe ich es drei Mal angefangen und beiseite gelegt. Dieses Mal wollte ich durchhalten. Ich habe durchgehalten obwohl: das Buch ist blass, sehr blass! Ich denke – soviel kann ich vorwegnehmen – es verkauft sich deshalb gut, weil Schwedenkrimi drauf steht.
Zur Handlung: Erik Winter ist die Hauptfigur in diesem Kriminalroman, seines Zeichens Kommissar und mit verschiedenen Fällen betraut, als er aus seinem Urlaub zurückkehrt, den er in Göteborg verbracht hat, wo es ungewöhnlich heiß ist. Es gibt einen rassistischen Überfall auf eine Kollegin, einen Bandenkrieg zwischen den Hells Angels und einer anderen Bande und vor allem einen Mord an einer jungen Frau, die schon mal ein Kind bekommen hat, das jedoch unauffindbar scheint. Der erste Fall verliert sich irgendwann, der letzte hängt mit dem mittleren irgendwie zusammen, doch man weiß nicht wie und erfährt das auch nicht. Doch das Positive zuerst: es gibt einen wirklichen Überraschungseffekt, nämlich die Tatsache, dass irgendwann deutlich wird, dass zeitlich versetzt erzählt wird. Das ist ein Clou am Buch, der in der Mitte deutlich wird. Dann ist der Joker verspielt und das Buch plätschert eine Weile dahin. Mehr verrate ich nicht zum Inhalt, denn es soll ja für die, die es lesen, noch spannend bleiben (HAHA)…
Zur Kritik: Auf den Punkt gebracht kann man sagen: viele Erzählstränge, die wirklich gute Geschichten andenken lassen, verebben.
1. Die Geschichte zwischen einer Polizistin, auf die ein rassistischer Überfall verübt wird, und ihrem Kollegen, von dem die Hauptfigur Erik Winter vermutet, dass er rassistisch ist und in Bezug auf dem immer wieder diffus von Problemen berichtet wird. Sie wird nicht vollständig entfaltet, immer denkt man, JETZT kommt die Pointe, aber sie bleibt aus.
2. Die Geschichte des Überfalls selbst. Die Polizei ist in hellem Aufruhr – am Anfang des Buches. Dann verebbt diese Geschichte. Dies wirkt im Nachhinein so, als hätte der Autor eben auch noch mal das Thema Rassismus unterbringen wollen.
3. Die Geschichte mit den Hells Angels. Ständig wird von einer Verbindung zwischen einem Bandenkrieg und dem Hauptfall gesprochen. Immer wieder wird auf eine diffuse Bedrohlichkeit der Hells Angels Bezug genommen. Dabei bleibt es. Hinterher kommt zwar raus, dass der Böse ein Hells Angel war, aber wie der in Verbindung zu einem weiterem Nebenfall stand und welche Bezüge es zu dem Hells Angels Milieu gibt, kommt nicht raus. In diesem Zusammenhang wären noch zig Erzählstränge aufzuzählen, die irgendwie unspannend wirken (z.B. wird der Kommissar Erik Winter immer mal wieder verfolgt. Das wird aber nicht wirklich spannend, weil nichts passiert, außer dass er glaubt, jemanden gesehen zu haben. Dann geht er wieder schlafen, was er oft tut, weshalb auch unversständlich ist, warum er so überarbeitet ist).
4. Die Geschichte zwischen Erik Winter und seinen Eltern. Da wird von Kommunikationslosigkeit geredet und irgendwie diffus angedeutet, dass Erik Winter seinen Eltern etwas verübelt oder dass sein Vater Alkoholiker ist, aber es kommt nicht raus. Fast wirkt es, als sei dieser Mann Mitte 30 beleidigt, dass seine Eltern nach Marbella gezogen sind. Nichts wird richtig entfaltet, es wird langweilig. Man denkt nur: wie unreif ist der denn?
5. Offenbar soll Erik Winter sehr attraktiv und vielschichtig sein. Untermalt wird das mit seiner Vorliebe für gute Anzüge und Jazz. Mehr nicht. Ein Beipsiel dafür, wie einfältig Erik Winter eigentlich ist, ist sein Verhältnis zu Frauen. Seine aktuelle Freundin jammert ständig nach einer Entscheidung für eine gemeinsame Zukunft. Erik Winter will nur Sex, gesteht sich das aber nicht ein. Oder vielleicht will er auch nicht nur Sex, aber auch das gesteht er sich nicht ein, denn Erik Winter entscheidet sich nicht. Sie verlässt ihn, er ruft ihren Namen. Gähn! Er lernt eine attraktive Polizistin kennen: Nichts passiert! Mein Gott, was für ein Spießer! Geht ein Bier mit ihr trinken und ruft danach seine Freundin an, die wieder rumjammert. Da war der alternde Wallander ja ein Draufgänger dagegen! Der hat wenigstens Format!
Die Vielschichtigkeit, die die Figur vielleicht beinhalten soll, kommt an keiner Stelle wirklich zum Ausdruck. Damit ist die Figur ein Abbild des gesamten Romans. Schade….