Still sein

21. Mai 2013

Jetzt habe ich mich despektierlich über alle möglichen Seinsarten ausgelassen und eine gefunden, in der man gar nicht sein kann… eine habe ich gefunden, die gefällt mir:

Still sein.

 

 

 

 

 

Diese Ruhe! Herrlich!

Fehlt noch ein kleines Blumenbild. Da bitte ich euch doch einfach mal: phantasievoll sein!

Lieb sein

17. Mai 2013

Mir fällt auf – es wächst sich zu einer Reihe aus: Die Seins-Reihe: Spießig sein, einfach sein, lieb sein… eine schöne Trilogie. Vielleicht wird es ja auch mal eine Quatrologie, wenn mir noch was einfällt, was man sein kann. Wobei mir einfällt: Tot sein kann man ja eigentlich nicht, denn wer tot ist, ist nicht mehr. Aber das ist ein anderes Thema.

Lieb sein. Das ist eine Anforderung. Ich finde, wer sie stellt, ist verdächtig! “Sei lieb”. Was ist das denn bitte für eine Aufforderung und eine Anrede. Kann man doch nur “Nein” sagen. Manchmal kommt das auch verschleiert daher “Bist du so lieb und gibst mir mal die Milch?” Gruselig. Nicht nur wegen der Milch. Warum nicht: “Reich mir bitte die Milch.” Das ist höflich und unverschnörkelt. Gleich auch noch zu verlangen dabei lieb zu sein oder den Anspruch der Liebe zu erfüllen, wenn man die Milch reicht – das geht einfach zu weit. Sowas trägt doch eine milchgebende Beziehung gar nicht. Es sei denn man ist eine Kuh oder Mutter eines Säuglings. Aber der bauer fragt die Kuh nicht, der Säugling nicht die Mutter. Die Steigerung von “Bist du so lieb und” ist übrigens “Magst du mal”? “MAgst du mir mal die Milch geben?” “MAgst du das und das mal erklären”. Schrei!

Einfach sein

14. Mai 2013

Nach spießig sein, möchte ich einfach nur sein – oder: einfach sein.

Was könnte das einfach sein

Spießig sein

10. Mai 2013

Das Leben kann so herrlich sein. Und es soll immer alles sein, bloß nicht spießig. Was ist denn spießig? Ich weiß jedenfalls, was nicht spießig ist: meine Wohnumgebung. Bevor ich hierher gezogen bin, habe ich im sozialen Brennpunkt gewohnt, das war auch nicht spießig, davor unter einer WG, das war auch nicht spießig, jetzt wohne ich, wie eine Käsescheibe zwischen zwei WGs (die dann entsprechend der Metaphorik Brotscheiben wären), das ist auch nicht spießig, denn spießig, das sind immer die anderen – und somit wir (also für uns sind wir nicht spießig, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie denken, wir sind spießig, weil wir gewisse Richtlinien mögen: ein gefegtes Treppenhaus, Ruhe zwischen 22 (Wochenende kann auch mal später sein) und 6 Uhr (auch hier am Wochenende gerne später), keine Brände in der Wohnung, weil man einen Tresor geklaut hat und die Rückwand abfackeln muss, keine Großeinsätze von Feuerwehr und Notarzt, weil man sich mit seinem Kumpel gezofft hat, den man blutig geschlagen hat, weil er auf eine Gewinnbeteiligung in der Tresorsache bestand und darüber hat man vergessen, dass man Speiseöl auf die Rückwand des Tresors gekippt hat, um sie abzufackeln und jetzt entsteht eine starke Rauchentwicklung und die Feuerwehr tritt die Tür ein und abends schaut dann bei uns die Kriminalpolizei vorbei, ob wir den Halter des Tresors kennen, keine Techno-Partys im Treppenhaus mit Geschrei (“Ey das is so geil hier bei euch, endgeil ey” – das war in der Vor-Vorwohnung, wo die coooole WG auch mit Silvesterraketen auf unsere Kinder zielte: “Ey, da passiert schon nüscht, war nur Spaß Mann”). Ich glaube ich bin spießig! Aber ich bin dafür manchmal auch ausgeschlafen, ey!

Galvanize

7. Mai 2013

Ein Song, den ich entgegen meiner sonstigen Vorlieben sehr gut finde

Grenzerfahrungen

3. Mai 2013

Noch immer ist es etwas Besonderes, so nah an Dänemark zu wohnen. Nach einem Jahr muss ich sagen, ich finde es nach wie vor beeindruckend, dass man mit dem Fahrrad ins Ausland fahren kann (im Tagesausflug) und nicht mal einen Grenzstein findet. Immer noch freue ich mich über die rot-weißen Flaggen, auch wenn ich das nationale Gebaren eigentümlich finde, ich finde es witzig, dass man in der Fußgängerzone samstags mehr Dänisch als Deutsch hört… Am 1. Mai sind die jungen Damen und ich sogar einfach mal über die Grenze gefahren, um zu genießen, dass wir frei, aber die Dänen keinen Feiertag haben (wir waren “Shoppen”: eine Konfirmandenkarte für meinen Neffen).

Warum ist das wohl so besonders, hier zu wohnen? Man merkt, wie stark der eigene Blick auf das Leben im “eigenen” Land ist, selbst wenn man nicht besonders Nationenverbunden ist. Zum Beispiel sagen einem Viele (und ich denke es selbst häufig): Flensburg ist so weit weg von ALLEM. Es ist aber nah an der Nordsee, an der Ostsee liegt es ohnehin, es ist nah an Kolding; Aarhus und Kopenhagen sind näher als Berlin und Köln. Eigentlich ist man mittendrin… wenn man die nationalen Grenzen nicht betrachtet. Diese haben sich ja auch in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder verschoben. Erst 1920 hat man die Grenze hinter Flensburg und vor Tonder (mit dänischem ö) festgelegt, weshalb viele Orte noch zwei Namen tragen (Tonder (mit dänisch-durchgestrichenem ö)=Tondern, Sonderborg (ö!) =Sonderburg, Flensburg=Flensborg, Apenrade=Aabenraa usw.)

dänischer jogurth

Ein ganz besonderes Augenmerk muss man eigentlich mal auf die Supermarktkulutr richten. Wir wohnen 5 Kilometer von der Grenze entfernt. Im Supermarkt um die Ecke gibt es nur nationale Produkte, wie man sie auch in Wuppertal oder Brandenburg finden würde. Im Supermarkt 2 Kilometer weiter im deutschen Landesinneren ;-) gibt es allerdings dänischen Jogurt (Foto). Im dänischen Supermarkt würde man hingegen keinen deutschen Jogurt finden, es gibt ja genug dänischen, dafür aber dann und wann deutsche Zeitschriften :-D Im Allgemeinen sind Supermärkte also nationale Erscheinungen, mit ein paar wenigen Irritationen beständig sind. Gleichzeitig gibt es aber auch dänische Supermärkte auf deutscher Seite und ich entdecke im Moment, dass es nicht gerade wenige sind. Der Grund: die Mehrwertsteuer hier ist wesentlich günstiger. So kommen sehr viele Dänen eben nach Deutschland, um einzukaufen, zum Teil fahren sie lang. Umgekehrt fahren Deutsche vielfach sonntags in die dänischen Supermärkte, wenn sie etwas vergessen haben.

 

Schlafen

30. April 2013

Es gibt alle möglichen Tipps für gutes Schlafen. Früh ins Bett, der Schlaf vor 12 ist der gesündeste! Ein Glas heiße Milch, wahlweise auch ein Glas Rotwein (hilft immer und bei allem), einen Beruhigungstee, nicht zu spät essen, nicht zu früh essen, nicht zu viel essen. Alle Sprüche haben etwas mit der Aufnahme von Lebensmitteln zu tun. Bemerkenswert.

Am meisten aber stoße ich mich an dem Spruch: Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es mal nicht so klappt mit dem Schlafen. Wie bitte!? Ich schlafe doch gerade deshalb nicht, weil ich aus der Ruhe gebracht bin. Ich gehörte leider schon immer zu den Menschen, die sich leicht aus der Ruhe bringen lassen und damit leicht mit Schlaflosigkeit reagierten. Und zwar immer schon! Schon als Kind. Das sind nicht die Wechseljahre, die Schilddrüse oder der Hormonspiegel ab 40. Es sei denn, das hätte ich alles auch schon mit 9 Jahren gehabt.

Was tun, wenn man aus der Ruhe gebracht ist? Das ist doch die viel bessere Frage! Manchmal hilft es, einfach liegen zu bleiben, manchmal hilft von 9999 rückwärts zu zählen (das hilft dann, wenn ich bis 9900 komme und dann wieder einschlafe). Manchmal hilft lesen. Manchmal kann man aber auch einfach nur aufstehen, sich ein Heißgetränk zubereiten und sagen: Hallo Tag, ich bin heute ein bisschen früher dran.

Denn glücklicherweise (und da weiß ich, dass es bedauerlicherweise vielen anderen nicht so geht) macht mein Körper das immer mal einige Tage lang mit und dann kann ich wieder schlafen. Ich merke, dass ich schneller mit Schlaflosigkeit reagiere, wenn ich wenig Zeit für mich habe. Dann holt sich mein wasauchimmer diese Zeit eben ab 4 Uhr morgens. Ich merke auch, dass ich Mittagsschlaf vermeiden sollte und abends nicht sehr früh ins Bett gehen sollte. Aber: es gibt kein Patentrezept. Und das ist das Rezept: einfach auf die jeweilige Situation hören. Viele Leute sagen ja, dass man das bei den inneren Bedürfnissen soll. Essen, schlafen, fernsehen (oder so). Man sollte das aber vielleicht auch mal bei Nicht-Bedürfnissen: Nicht-Essen, Nicht-Schlafen, Nicht-Fernsehen.

Fahrradfahren

26. April 2013

Ich habe ein Fahrrad zum Geburtstag bekommen! Heute haben Brucelieh und ich es abgeholt. Dazu habe ich einen schicken Helm gekauft. Der Helm sieht auf meinem Kopf immer noch schick aus, nur ich nicht mehr. Mir stehen Hüte nicht. Nur manche Mützen. Egal. Man trägt heute Helm! Mein Fahrrad ist anthrazitfarben und hat viele Gänge. Wie viele weiß ich nicht, aber man kann an vielen Hebeln drücken und ziehen und wenn man Glück hat, wird das Treten leichter, wenn man es will und schwerer, wenn man es will.

Heute als abgeholt, da sag noch einer, Flensburg liege im platten Norden. Es ist ja ein Ammenmärchen, dass der Norden platt ist. Ich habe zum Beispiel 53 Höhenmeter zu bewältigen, wenn ich nach Hause will. Da musste ich absteigen und schieben. Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt! Sagte mein Vater immer. Ich scheine also eine emotional nahe Beziehung entwickelt zu haben. Aber nur für zirka 20 Höhenmeter, den Rest habe ich fahrend bewältigt. Wenn ich zu meinem Arbeitsplatz will, liegt ein Höhenmeter Distanz dazwischen. 53 Meter runter, 54 rauf. Ich weiß noch nicht, ob ich das dauernd machen will. Vielleicht dann, wenn mit jemand ein weißes T-Shirt mit rosa Punkten schenkt (das Trikot der Bergziege). Aber für die Fahren durch die Holsteinische Schweiz bin ich jetzt besents gewappnet.

Passend dazu: eine Erinnerung aus den 80ern

ipad Mini

23. April 2013

Ich hatte schon länger damit geliebäugelt: mit dem ipad mini. Zuerst war es bei mir, wie mit allen technischen Neuerungen: ich dachte, das ich das nicht brauche. Ich fand ipad-User irgendwie ein bisschen angeberisch, wie sie da saßen und nicht nur ihr iphone, sondern auch ihr ipad streichelten. Ich lobte die Sinnlichkeit von Papier – in Buchform, als Tagebuch, als Kalender. Aber irgendwie war es doch auch schick. Wenn der Kollege seine Notizen prompt auf dem Computer hatte, wenn sich Termine wie von Zauberhand synchronisierten und dabei auch relativ lesbar und übersichtlich auf dem Bildschirm erschienen, wenn zum Zeitvertreib ein Film geguckt werden konnte, ein Youtube-Video abgerufen, mal eben ein Word-Dokument aufgemacht und etwas in einem Buch geblättert, ein bisschen Musik gehört, Autorennen gespielt … werden konnte! Und dann auf einer Tagung: eine Frau tippte alles in ihr ipad, das sah aus, wie die Stenotypistinnen bei Gericht. Das fand ich stark.

Dann griffen andere Tablets um sich: kleiner, leichter, handlicher. Man las Kindle im Zug und ließ das kleine Ding danach einfach in die Tasche gleiten. Mh, dachte ich – eigentlich ganz praktisch. Man braucht nicht mehr so viel mitzuschleppen. Für Reisen gar nicht so übel. Natürlich scherzte ich noch. Mein Lieblingswitz: irgendwann stellt sich keiner mehr eine Bibliothek hin, sonder 5 Kindles markieren Bildungsbürgertum, nur 1 – das ist ja fast nichts!

Dann gab es das ipad mini. Ich bin in das Apfelgeschäft: angucken kostet nichts. Und schwups war ich dem Charme erlegen. Ein halbes Jahr und eine Steuerrückzahlung später habe ich es mir tatsächlich gekauft: ein kleines schwarzes! Mit blauer Abdeckung, 32 GB Flash-Speicher und einer Telefonkarte. Und, was soll ich sagen: ich bin hochzufrieden. Das Bild ist einfach super, auch wenn es kein Retina-Display hat, wie das neue ipad (maxi?). Ic habe darauf Kalender und Adressen, die Synchronisation über die Computer klappt hervorragend. Daneben habe ich noch Spiele, Zeitungen, ein Notizprogramm, Bücher, Internet und ein paar Lieder darauf. Das ist alles supereinfach einzurichten gewesen. Besonders die Zeitungen finde ich prima. Kein lästiges Blättern, keine umständlichen Faltaktionen von der Zeit, man kann mal diese und mal jene Zeitung runterladen und nach anderthalb Minuten darüber verfügen. Das Internet ist relativ schnell.

Besonders überrascht hat mich, dass mir die Lesefunktion so gut gefällt. Ich habe Kindle und die Apple-Bibliothek drauf. Das ist wirklich sehr komfortabel. Viele Klassiker gibt es dort für sehr kleines oder gar kein Geld. Sherlock Holmes war zum Beispiel fast umsonst. Und um abends im Bett zu liegen und zu lesen ist das Ganze sehr praktisch. Im Urlaub ging mit der Lesestoff aus – nachts noch ein kleines Buch runtergeladen, fertig! Das finde ich wirklich ziemlich gut. So viel Lobhudelei. Was gibt es Negatives? Das Apple-Problem, dass der Bildschirm spiegelt… Der Akku ist bei reichlichem Gebrauch doch relativ schnell leer (einen Tag hält es schon durch, aber dann braucht es doch wieder Strom). Aber in der Bilanz durchaus positiv!

Noch ein Buch

19. April 2013

Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben.

Sibylle Berg wird allgemein sehr gelobt. Sie ist so kritisch. So schonungslos. So messerscharf. Ich habe einmal ein Buch in einem Strandkorb in Holnis gefunden und es merkwürdig gefunden. Dann sah ich die merkwürdige Sibylle Berg bei Helge Schneider und Helge Schneider las aber zwei Absätze aus dem Buch vor, die mich ansprachen. Also habe ich das Buch als Urlaubslektüre mitgenommen. Zur Handlung:

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte eines Menschen, der weder Mann noch Frau ist. Das führt nach der Geburt zu allerhand witzigen Verwicklungen, dann im Kinderheim der DDR zu schwierigen Situationen und später – in der BRD –  immer wieder zu Ausgrenzungserfahrungen. Ins Visier geraten dabei vor allem die bürgerlichen Lebensentwürfe, die mit ihren neoliberalen Haltungen ja die Ausgrenzung erst hervorrufen. Dieser Mensch, der symbolischerweise Toto heißt (lateinisch: das Ganze), trägt den anderen nie etwas nach, hinterfragt nie ihre bösen Absichten, unterstellt ihnen immer Gutes. Dann kommt es zu einer verhängnisvollen Wiederbegegnung mit Kasimir aus dem DDR-Kinderheim. Im DDR-Kinderheim hatten sie eine beginnende Freundschaft, als herauskam, dass Toto ein Zwitter ist, brach Kasimir sie ab, später entpuppt er sich als Frauenverachter und eigentlich Toto-Verehrer, der jedoch nichts anderes im Sinn hat als diese(n) zu zerstören. Er geht eine Beziehung mit ihm ein, lebt – inzwischen beide über 50jährig – mit ihm/ihr zusammen in Paris und setzt ihn/sie schließlich an die Luft. Dann lebt Toto auf der Straße, am Schluss in einem Heim, nimmt eine Platte auf (ach ja, er/sie hat eine reine, unschuldige Stimme), stirbt.

Anfangs fand ich das Buch sehr nervig. Ich habe mehrfach erwogen, es nicht weiterzulesen, weil es immer so düster war, so blechtrommelig – alles war dreckig und eklig und stinkig und gemein. Als Toto dem Kinderheim und den Pflegeeltern entkommen war, da war das Buch stellenweise mal gut, da waren die seziererischen Blicke auf die Gesellschaft okay. Aber es ging immer weiter: zuerst die schlimme kalte, dreckige DDR, dann der böse, böse Kapitalismus, der nur Oberflächlichkeit und Egoismus, Ordnungsliebe und Geldgeilheit hervorbringt. Ja, dachte man da schon: schlimm, schlimm, schlimm. Aber es ging immer weiter. Der, der ihn verehrt, versucht ihn zu zerstören: Komplexitätssteigerung! schlimm, schlimm, schlimm. Organhandel: schlimm, schlimm, schlimm, Atomskandale: huiuiui. Und zum gar nicht kröndenden Abschluss wird dann noch in die Zukunft geblickt – will man das unter diesen Umständen?

Kurzum: wem es zu gut geht, der sollte unbedingt dieses Buch lesen. Alle anderen nicht. Dabei hab’ ich nicht mal was gegen Gesellschaftskritik. Aber ich finde es unerträglich, wenn Leute sich in ein Krähennest begeben und von oben drauf gucken, weil sie den Durchblick haben. Auch diese Leute sind Teil der Gesellschaft, von der sie meinen, dass sie über ihr stehen.


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